Als Fotograf auf einer Beerdigung…

Am von Colin Derks in Fotografie, In eigener Sache veröffentlicht | Kommentare

Auf einer Beerdigung fotografieren...?

Ende letzter Woche hatte ich eine eher ungewöhnlichen Anruf: Ich solle auf einer Beerdigung fotografieren. Ja, richtig gelesen. Ein Mitglied der Familie sei nach langer Krankheit verstorben und die Angehörigen wünschten sich, dass auf der Trauerfeier und während der Bestattung fotografiert wird. Immer mehr Familien lassen die Bestattung geliebter Familienmitglieder durch einen Fotografen begleiten, für mich war es aber die erste Anfrage dieser Art.  Ich musste kurzfristig zusagen, da die Zeit drängte. Ich fand die Anfrage interessant und den Auftrag sah ich als Herausforderung an, auch wenn ich gerne noch eine Nacht über die Entscheidung geschlafen hätte.

Anders als bei Hochzeiten muss man sich noch unsichtbarer bewegen, um nicht zu stören. Anders als bei anderen Aufträgen muss wirklich jedes Foto sitzen, denn als Fotograf möchte man die Ruhe während des Trauergottesdienstes oder der Beisetzung nicht durch unnötige Auslösegeräusche der Kamera unterbrechen. Fotografieren im Serienbildmodus geht hier gar nicht.

Es ging für mich am Samstagvormittag in eine kleine Kirche in der Nähe von Freiburg. Dem Anlass angemessen war das Wetter: grau, kalt und neblig. Vor dem Trauergottesdienst sprach ich kurz mit den Angehörigen und war mir danach sicher, den richtigen Entschluss gefasst zu haben, den Auftrag anzunehmen. Leider wusste ein Großteil der Trauergäste nicht, dass ein Fotograf anwesend sein würde und so wurde ich oft mit fragenden und irritierten Blicken angeschaut.

Das schwierigste an der ganzen Sache war, dass ich mich natürlich nicht frei in der Kirche bewegen konnte, anders als bei Hochzeiten. Mir blieben also nur drei Stellen in der Kirche, von denen aus ich fotografieren konnte. Dort variierte ich mit den Ausschnitten und der Brennweite, um etwa 3-4 gute Fotos von den einzelnen Trauerrednern zu bekommen. Später auf dem Friedhof war meine Bewegung wieder eingeschränkt, diesmal von der schieren Größe der Trauergemeinde.

Im Nachhinein bereue ich meine Entscheidung, den Auftrag angenommen zu haben, keinesfalls. Für mich war es eine interessante und abwechslungsreiche Erfahrung, auch weil meine letzte Beerdigung (zum Glück) schon fast 10 Jahre zurückliegt. Natürlich ist es schön, als Fotograf bei Hochzeiten oder Paarshootings zu fotografieren, oder nach einem anstrengenden Mountainbike-Rennen in die glücklichen Gesichter der Sieger blicken zu können, doch als Fotograf muss man ab und zu auch seine Komfortzone verlassen, um sich zu entwickeln und Neues zu lernen. So habe ich schließlich vor ein paar Jahren auch zur Hochzeitsfotografie gefunden.

Statt Spaß erntete ich an diesem Tag vor Allem eins: große Dankbarkeit und auch die Gewissheit, mal wieder einen wichtigen Job gemacht zu haben.

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