Drei Jahre Selbstständigkeit als Fotograf

Am von Colin Derks in In eigener Sache veröffentlicht |

Colin Derks - Selbstständigkeit als FotografFoto: © Freegraphy

Vor ziemlich genau drei Jahren bin ich in die Selbstständigkeit als Fotograf gestartet. Damals war ich noch in der Ausbildung zum Fotografen, fast ein halbes Jahr war noch bis zum Abschlusszeugnis zu bewältigen. Die ersten drei Jahre der Selbstständigkeit sind die schwersten, sagt man. Das kann ich bestätigen: viel Arbeit bei gleichzeitig wenigen Aufträgen, wenig Zeit, geringe Einnahmen.

Angefangen habe ich als Fotograf für eine Sportfoto-Agentur, was mir während der Ausbildung ganz gut passte: Aufträge nur am Wochenende, trotzdem viel rumkommen und lernen. Und dabei meine ich nicht nur das fotografieren, sondern auch das ganze drumherum: Wie berechne ich meinen Stundensatz? Wie schreibe ich eine korrekte Rechnung? Wie organisiere ich am effektivsten meine Buchhaltung? Was brauche ich an Equipment, um den Anforderungen der Kunden gerecht zu werden? Muss ich mich wirklich bei der Handwerkskammer anmelden? All das wird dir in der Ausbildung natürlich nicht beigebracht und ich musste mich komplett selbst darum kümmern. Natürlich standen mir auch befreundete Fotografen mit Rat und Tat zur Seite, das machte es etwas einfacher.

Nach etwa einem halben Jahr kam auch schon die erste Anfrage, eine Hochzeit zu fotografieren. Spannend, hatte ich doch vorher nie daran gedacht, Hochzeiten zu fotografieren. Aber den beiden gefielen meine Fotos und ich sah den Auftrag als Herausforderung an. Danach konnte ich ja immer noch schauen, ob es mir gefällt oder nicht. Die beiden waren von den Fotos begeistert und ich hatte den Spaß an der Hochzeitsfotografie gefunden. Gleichzeitig habe ich in ein paar Stunden so viel gelernt wie lange nicht mehr. Kommunikation mit Kunden/Brautpaaren/Models wird dir in der Ausbildung nämlich auch nicht beigebracht und kann manchmal schwieriger sein als gedacht. Aber wenn man ein bestimmtes Bild im Kopf hat, fällt die spätere Umsetzung leichter.

Meine Einnahmen im ersten Jahr waren sehr gering, da ich noch nicht so viele Kunden und Aufträge hatte. So konnte ich während der Saison keine Rücklagen bilden und im Winter musste ich als Aushilfskraft in einer großen Druckerei arbeiten, um Miete und alle anderen laufenden Kosten decken zu können. Es war knochenharte Arbeit, ich hatte oft Muskelkater und Rückenschmerzen und ich schwor mir, das nie wieder machen zu müssen. Rückblickend kann ich sagen, dass ich einen großen Fehler begangen habe: ich habe mich ohne große Rücklagen und damit etwas blauäugig selbstständig gemacht – mir war nicht bewusst, dass es so lange dauern würde, ein gutes und regelmäßiges Einkommen zu erwirtschaften.

Ich arbeitete nach meinem Aushilfsjob viel im Hintergrund, damit es in Zukunft besser laufen würde. Ich verbesserte meine Webseite, baute mein Portfolio aus, investierte Zeit und Geld in Marketing. Das half mir, mehr Kunden zu gewinnen und auch mehr Aufträge zu bekommen. Von da an lief es immer besser, aber auch im zweiten und dritten Jahr gab es immer mal wieder finanzielle Engpässe (fehlende Aufträge, zu spät zahlende Kunden, dringende Reparaturen und Investitionen am Equipment, etc.). Es ist einfach ungemein schwierig, als Selbstständiger ein halbwegs regelmäßiges Einkommen zu erzielen. Gerade im Saison-Geschäft, wie bei mir, ist es in der Nebensaison wichtig, andere Einnahmequellen zu haben, ich gebe auch Fotokurse und verkaufe in meinem Shop Schwarzwald-Postkarten und Prints.

Wenn man sich selbstständig macht, gibt es manchmal leider auch Rückschläge. Wenn ein Kunde unzufrieden mit den Fotos ist, lässt dich das sehr an dich selbst zweifeln und es nagt am Selbstvertrauen: Bin ich wirklich schon bereit, Kundenaufträge durchzuführen? Reicht mein Equipment und mein Wissen aus? Es war zum Glück kein großer Auftrag und kein all zusehr wichtiger Kunde. Ich musste in den letzten drei Jahren leider immer wieder lernen, dass es auch Kunden gibt, die an allem etwas auszusetzen haben und einfach nicht glücklich zu machen sind, obwohl sie meine Fotos und meine Art zu fotografieren kennen und vor Ort mit den Fotos zufrieden waren. Vielleicht geht es manchen nur darum, den Preis zu drücken? In jedem Fall hilft es hier ungemein, andere professionelle Fotografen nach ihrer ehrlichen Meinung zu fragen, auch um später den vereinbarten Preis beim Kunden auch durchzusetzen und sich nicht unnötig kleinreden zu lassen.

Doch diese Mecker-Kunden sind – zum Glück – nur ein schwindend geringer Teil meiner Kunden und Partner. In drei Jahren waren es gerade mal drei. Der Großteil ist von meiner Arbeit begeistert und so komme ich immer wieder an Jobs durch Empfehlungen, was wirklich super ist.

Das wichtigste an der Selbstständigkeit ist aber, nicht den Mut zu verlieren, motiviert zu bleiben und mit Liebe und Spaß an Aufträge herangehen. Ich mache das Ganze, weil ich die Fotografie liebe. Ich habe mein Hobby zum Beruf machen können und das macht mich unglaublich stolz!

Jetzt, nach drei Jahren, habe ich vor kurzem mein eigenes Studio und Büro in der Freiburger Innenstadt eröffnet, beschäftige immer wieder Assistent/innen auf freiberuflicher Basis und habe endlich jemanden, der sich professionell um meine Buchhaltung kümmert (dazu in Kürze mehr!). Außerdem habe ich mit zwei Kollegen eine GbR gegründet, um in Zukunft Hochzeitsfotografie professioneller anbieten zu können. Mit dem Projekt gehen wir demnächst online.

An dieser Stelle muss ich allen bisherigen Kunden und Auftraggebern für die Zusammenarbeit und das entgegengebrachte Vertrauen danken. Ich freue mich auf das, was in diesem und in den nächsten Jahren kommt. Auf neue Kunden, spannende Aufträge und auch auf die damit verbundenen Reisen!